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„Forst trifft Logistik“ im Mittleren Schwarzwald

JUL

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Rund 150 geladene Gäste fanden sich am Nachmittag des 25.07.2008 zu der Veranstaltung „Forst trifft Logistik – Prozesse gemeinsam optimieren“ auf dem Betriebsgelände der Spedition Maier in Mühlenbach/Schwarzwald ein. Zielgruppe waren in erster Linie die Logistikverantwortlichen der regionalen forst- und holzwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten. Rund 85 Holzspediteure hielten dieses Thema für genauso wichtig wie die zahlreichen Revierleiter, FBG-Geschäftsführer, Rundholzeinkäufer und Mitarbeiter der baden-württembergischen Landesforstverwaltung.

Die Sommerveranstaltungen der FMS zu stets aktuellen Schwerpunktthemen sind schon fast Tradition geworden. In diesem Jahr widmeten sich die FMS - eine der größten forstwirtschaftlichen Vereinigungen Deutschlands - zusammen mit der Bundesvereinigung des Holztransportgewerbes e. V. (BdHG) und der Wilwerding dataCargo GmbH der Optimierung der Rundholzlogistik. Ein Arbeitsfeld, welches in besonderem Maße von steigendem Kostendruck geprägt ist. Der Veranstaltungsort war passend zum Thema gewählt: die Regionalvertreter und Vorstandsmitglieder der BdHG Eduard Maier und Georg Hilser hatten die Maier’sche Lkw-Wartungshalle zu einem Tagungsraum mit ausgedehntem Catering-Bereich verwandelt.

In seinem Grußwort wies der erste Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Mittlerer Schwarzwald Peter Wälde auf den besonderen Einfluss der Arbeitsqualität der Verantwortlichen auf die Logistik „vom Baum ins Werk“ hin. „Sie als Revierleiter, als FBG-Geschäftsführer, und Sie als Spediteure, tragen hierbei die maßgebliche Verantwortung für das Gelingen der Prozesse“, so Wälde.
Der Gastgeber erläuterte, dass die Transportkosten, ausgelöst durch überproportional steigende Kraftstoffpreise, aber auch durch Lohnerhöhungen sowie Preisanstiege bei Ersatzteilen und Neubeschaffungen, deutlich zunehmen. Gleichzeitig vergrößern sich die Zuständigkeitsbereiche und die Anforderungen in den „Basisorganisationen“, weil Reviere und Tätigkeitsfelder erweitert werden.
Wälde stellte klar heraus, dass diese Entwicklung eine weitere Optimierung der Rundholzlogistik unumgänglich macht: diese sei erklärtes Ziel der FMS. Ein Ziel, das nur in enger Abstimmung mit allen Geschäftspartnern zu erreichen ist.

Ein weiteres Grußwort richtete der erste Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung des Holztransportgewerbes e. V. (BdHG) Richard Witte an die Gäste. Er betonte dabei, dass auch aus Sicht seines Verbandes nur eine partnerschaftliche Zusammenarbeit innerhalb des Clusters zukünftig ein Bestehen am globalen Markt ermöglicht. „Angesichts der gestiegenen und weiter steigenden Transportkosten müssen alle Beteiligten an einer Prozessoptimierung mitarbeiten. Insoweit kann diese Veranstaltung als bundesweites Vorbild dienen.“ so Witte. Klar sein müsse jedoch auch, dass eine verbesserte Navigation im Wald nur einen Teil der allgemeinen Kostensteigerungen der Transporteure kompensieren kann. Dies insbesondere vor dem Hintergrund des fast bundesweiten Wegfalls der Ausnahmegenehmigungen für Holztransporte mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 44 t. Daran dürfte kurz- bis mittelfristig auch die Empfehlung der Brüsseler Studie zum sogenannten EURO-Combi mit einer Gesamtlänge von 25 m und einem Gesamtgewicht von 60 t nichts ändern.

Die Moderation des Nachmittags, ebenso wie den ersten Fachvortrag zum Thema „Logistikoptimierung der FMS – Ausrichtung, Potentiale, Ziele“ übernahm der Geschäftsführer der FMS Joachim Prinzbach. Zunächst zeigte er die Grundstruktur des „Unternehmens von Waldbesitzern für Waldbesitzer“ auf: die FMS besteht derzeit aus 41 Forstbetriebsgemeinschaften und größeren Einzelbetrieben, weist 3.700 Einzelmitglieder auf und verwaltet eine Waldfläche von 77.000 ha (80% Privat- und 20% Kommunalwald). Die durchschnittliche Nutzfläche liegt bei 20 ha. Die meisten Mitglieder sind bäuerliche Familienbetriebe mit einer Betriebsgröße von zehn bis 180 ha, in denen Wald ein wichtiger Beitrag zum Betriebseinkommen ist. Allerdings ist auch hier die Tendenz, den Wald ausschließlich selbst zu bewirtschaften, rückläufig.
Die FMS vermarktet derzeit 380.000 m3 Rundholz pro Jahr. Prinzbach formulierte das Unternehmensziel als „Optimierung der Erträge beim Waldbesitzer“. Man lege dabei großen Wert auf die Erhaltung und den Ausbau regionaler Strukturen und den Einsatz von Unternehmen aus dem eigenen Umkreis bei Holzernte und Transport. Beispielsweise geht die FMS, anstatt eigene Ernte-Teams aufzubauen, bewusst Kooperationen mit regionalen Holzernteunternehmen ein. Prinzbach sieht sein Unternehmen als koordinierenden Partner der Akteure, der die Prozesse dem Bedarf und der Kompetenz der weiteren Beteiligten angepasst steuert.
Das Dienstleistungsangebot der FMS Forstservice GmbH umfasst neben der Holzvermarktung einschließlich der Abwicklung aller zugehörigen kaufmännischen Angelegenheiten mittlerweile auch die Organisation von Unternehmereinsätzen inkl. deren administrativer Betreuung.
Die technische Grundlage für diesen optimalen Verlauf bildet laut Prinzbach die internetbasierte Datenlogistikplattform TDIS (TimberDataInterchangeSystem) der Freiburger Wilwerding dataCargo GmbH. Das System hat mittlerweile einen Ausbaustand erreicht, mit dem man in der Lage ist, sämtliche internen Prozesse Forstwirtschaftlicher Vereinigungen wie die der FMS abzubilden. Dies versetzt die TDIS-Nutzer nun in die Lage, kontinuierlich an der Verbesserung der unternehmensübergreifenden Prozessoptimierung zu arbeiten. Schließlich ist es Ziel der Kooperation zwischen der FMS und der Wilwerding dataCargo GmbH, durch den Einsatz der TDIS-Datenlogistik die wirtschaftliche Situation von Kunden und Partnern zu berücksichtigen, sprich deren Kosten ebenfalls zu reduzieren. Nur so sei eine Standortsicherung für die Forst- und Holzwirtschaft in der Region langfristig möglich, betonte Prinzbach.

Eduard Maier, Geschäftsführer der Maier Holztransporte aus Mühlenbach und Georg Hilser, Geschäftsführer der Woodliner e. K. aus dem benachbarten Tennenbronn, sprachen anschließend in ihrer Funktion als Vorstandsmitglieder der BdHG über „Logistikoptimierung im Holztransportgewerbe – Rahmenbedingungen, Anforderungen, Ziele“.
Maier wies zunächst noch einmal auf die extreme Steigerung der Kosten für Kraftstoff, Verschleißteile, die Anschaffung von Fahrzeugen, bei Maut und Personal in der unmittelbaren Vergangenheit hin. Er leitete daraus seine klare Forderung ab, dass ein weiterer Kostenanstieg um jeden Preis verhindert werden muss, und eine Optimierung der Abläufe in der Rundholzlogistik dringend erforderlich ist.
Die Schlüsselrolle in diesem Optimierungsprozess wies er den Waldbesitzern, Revierleitern, Forstbetriebsgemeinschaften und der Holzindustrie zu. Er führte den Zuhörern vor Augen, dass Holztransport nicht erst bei der Anfahrt des Lkw zum Polter beginnt, sondern bereits bei der Polterplanung und -bereitstellung. Maier erläuterte en detail einzelne Kostenfallen beim Holztransport, beispielsweise Suchfahrten, die notwenig werden, weil Holz-Lagerplätze nicht eindeutig beschrieben sind, die schlechte Erreichbarkeit mancher Polter oder eine von den ursprünglichen Angaben stark abweichende Mengenbereitstellung.

Georg Hilser verdeutlichte anschließend, dass bereits Hobby-Aktivisten hinsichtlich der Waldnavigation technisch besser ausgestattet sind als die meisten Holzspediteure. Er machte durchaus keinen Hehl daraus, dass es in gewissen Bereichen der Rundholzlogistik deutlich „hakt“. Nach wie vor sind aufwändige und teure Einweisungen vor Ort mit ineffizienten Telefongesprächen und zeitraubenden Suchfahrten an der Tagesordnung. Auf der anderen Seite nimmt der Druck auf die Holzspediteure kontinuierlich zu.
Hilser formulierte ein klares Fazit: Die Spediteure können sich keine Suchfahrten mehr leisten. „Punktlandung statt Irrfahrt“ – so müsse das Ziel lauten, und gleichzeitig: „100%ige Information, wo immer dies möglich ist“. Abschließend führte er alle Polterdaten, die zu einer Optimierung der Transportlogistik erforderlich sind, detailliert auf und begründete die einzelnen Parameter. Er arbeitete klar heraus, welches die Voraussetzungen für eine effiziente Mengenbereitstellung sind: vollständige Polterdaten helfen allen Beteiligten, unabhängig davon, ob im Führerhaus der Lkw’s mit einem PC oder noch mit einem Ausdruck auf Papier gearbeitet wird. Hilser schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass die technischen Voraussetzungen – besonders im Mittleren Schwarzwald - vorhanden sind: „Es gilt nun lediglich, diese gemeinsam zu nutzen“, appellierte er.
Dieses Statement diente dem letzten Referenten Andreas Wilwerding, Geschäftsführer der Wilwerding dataCargo GmbH als Steilvorlage. Das Unternehmen aus Freiburg setzt sich seit zehn Jahren intensiv mit der Optimierung forst- und holzwirtschaftlicher Geschäftsprozesse auseinander und hat eine branchenübergreifende Datenlogistikanwendung namens TDIS entwickelt, die immer mehr Anhänger findet.
Das bundesweit tätige Unternehmen sieht in der regionalen Kooperation mit der FMS und deren Geschäftspartnern die optimale Möglichkeit, der Branche zu zeigen, dass eine „Logistikoptimierung im Zusammenspiel der Akteure“   so der gleichlautende Titel des Vortrags   keine von Phantasie geprägte Theorie ist, sondern bereits tagtäglich in der Praxis stattfindet.

Wilwerding rief den Zuhörern zunächst unterschiedliche Definitionen für den Begriff „Logistik“ in Erinnerung, um dann aus möglichen Beziehungsgefügen zwischen Unternehmen die Kooperation als den gewählten Ansatzpunkt der an der Diskussion beteiligten Partnerfirmen herauszuarbeiten. Nach einer kurzen Vorstellung von TDIS folgte eine Erläuterung der hohen technischen Standards des Systems. Es steht als internetbasierte Datenlogistikplattform allen Akteuren forst- und holzwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten im deutschsprachigen Raum zur Verfügung und dient bereits heute mehreren Teilnehmern als ausschließliche Betriebsmanagementlösung. Der Referent gab einen Überblick über den aktuellen Logistikablauf der FMS. Dabei zeigte er auf, wie viele Ansatzpunkte es bereits jetzt im System gibt, die Geschäftsprozesse - auch die der Partner der FMS - zu optimieren. Zahlreiche Zugriffsmöglichkeiten in die freigegebenen Datenbestände ermöglichen eine effektive Zusammenarbeit bei deutlicher Kommunikations- und Kostenreduktion.
Neben den Möglichkeiten der Geodatenvisualisierung mittels unterschiedlicher Werkzeuge verdeutlichte Wilwerding die Bandbreite der Beteiligungstiefen von Speditionen, die das System abbilden kann. Abgesehen von der passiven Teilnahme sind verschiedene Formen der aktiven Nutzung möglich. Nach wie vor besteht kein Zwang, in TDIS einzusteigen. Jedoch sind sich alle bisherigen Anwender sicher, dass die aktive Beteiligung an dem System einen großen Vorteil birgt.

Zusätzlich zur Verwaltung der jeweiligen Transportaufträge ist in TDIS auch die Auftragsvisualisierung für Speditionen mit verschiedenen Werkzeugen möglich. Darüber hinaus können die kompletten Polterdaten (Transportaufträge) in Offline-Software und/oder Navigationsgeräte heruntergeladen werden. Bei Bedarf lassen sich diese bereits weitreichenden Funktionen noch um ein Online-Fahrzeugtracking ergänzen: dieses visualisiert, an welcher Position sich welches Fahrzeug und welche Zuladung befindet. Ein Thema, das nach Meinung aller Beteiligten in Anbetracht verschärfter Vorschriften für Lenk- und Ruhezeiten immer wichtiger wird.

Gemeinsam mit dem Team der Wilwerding dataCargo GmbH und unter Mitarbeit seines Mitreferenten Georg Hilser rundete Wilwerding die Vorstellung seines Systems mit einer Livepräsentation inklusive eines Echtzeit-Fahrzeugtrackings ab.
Die ursprünglich geplante offizielle Diskussionsrunde im Plenum verlegten die Gastgeber zuletzt spontan in die vielen persönlichen Gespräche, die sich während des anschließenden gemütlichen Beisammenseins bei Grillwurst und Bier von selbst ergaben. Diese Dialoge, und das stimmige Ambiente in der Maier’schen Halle, trugen wohl hauptsächlich dazu bei, dass die letzten Gäste erst früh am nächsten Morgen die Veranstaltung verließen.